Historie

In ihrer 426-jährigen Geschichte hat die Stadtvogelschützengilde nicht nur erfolgreiche Schützen hervorgebracht, sondern auch ein bemerkenswertes Vereinsleben aufgebaut. Die Bezeichnung "Gilde" im Namen verrät darüber hinaus, dass der ursprüngliche Vereinszweck ein ganz anderer war: Es ging um die Verteidigung der Burganlage und der Stadtbevölkerung am Fuße des Kalkbergs.


Bereits zur Zeit der Christianisierung wurde der für die holsteinische Landschaft ungewöhnliche Gipsfelsen, früher Alberg - heute Kalkberg, mit einer über Jahrhunderte gewachsenen Burganlage bebaut. 1534 wurde das alte Segeberg in der "Grafenfehde" niedergebrannt, die Siegesburg auf dem Gipfel jedoch nicht erobert. Sie dürfte seinerzeit durch die Schützen der Stadt verteidigt worden sein. Leider sind alle schriftlichen Zeugnisse aus dieser Zeit vernichtet worden.


Um den sicheren Umgang mit den Waffen zu erlernen und zu üben, schlossen sich die Bürger aus Segeberg und Gieschenhagen, einem heute eingemeindeten Stadtteil, zu einer Gilde zusammen. Älteste Nachweise hierüber sind 5 silberne Anhänger aus dem Jahr 1607, die noch heute an der großen Königskette hängen.


Die Siegesburg, die noch heute das Stadtwappen ziert, wurde vor mehr als 375 Jahren durch schwedische Soldaten zerstört. Mutige Segeberger, die sogenannten "Schnapphähne" stellten sich ihnen in den Weg und versuchten die Eroberungen durch die schwedischen Truppen zu zerschlagen.  Leider ohne Erfolg, die Burg wurde gesprengt. Nils Hinrichsen hält mit seiner Statistengruppe die Erinnerung an dieses Ereignis am Leben. Besuchen Sie doch mal die Webseite der legendären Schnapphähne!


Ein fester Brauch von traditionellen Schützengilden ist das jährliche Vogelschießen oder Schützenfest. Dieser Brauch ist bereits im Mittelalter entstanden und diente ebenfalls dem Übungszweck der Stadtverteidigung. Das Vogelschießen war ein solch wichtiges Ereignis, dass sogar dem jeweiligen Landeskönig darüber Bericht gegeben wurde. Das Vogelschießen unserer Gilde fand nach verbrieftem Recht bis 1978 auf der Segeberger Vogelwiese am Kurpark statt. Noch heute wird das Vogelschießen unser Gilde nach Statuten abgehalten, die bereits 1835 schriftlich niedergelegt wurden.


Zeitweise gab es auf dem heutigen Stadtgebiet Bad Segebergs mehrere Schützenvereine. 1739 kam es zur Neugründung der Schützen- und Totengilde. Wie der Name verrät beinhaltete sie auch eine Sterbekasse. 1744 wurde die Gieschenhagener Gilde gegründet. 1820 wurden diese Gilden in der Segeberger Stadt-Schützengilde vereint. 1871 gründete sich als letzter Vorgänger die Jägergilde. 1935 und 1937 wurden alle Segeberger Gilden zwangsweise zu einer großen Schützengilde vereint. Nach den Kriegsjahren kam es 1950 zur Neugründung der Segeberger Vogelschützengilde von 1725. 



In seiner 1965 verfassten Chronik weißt der Oberstudiendirektor Hans Siemonsen nach, dass die Gilde bereits im Jahre 1595 existierte. Belegt wurde dies durch eine Kämmereirechnung der Stadt Segeberg. In der Jahreshauptversammlung 1965 wurde daher beschlossen, die Jahreszahl in den Vereinsnamen aufzunehmen. Es ist davon auszugehen, dass die Gründergilde noch älter ist, denn der Eintrag von 1595 war nur der älteste noch erhaltene Nachweis.



Ab etwa 1880 suchten die Gildebrüder nach einem neuen Gelände für einen Schießstand und wurden in Klein Niendorf, einem heutigen Stadtteil im Norden Bad Segebergs, fündig. Das Grundstück gehörte dem Landwirten Dill. Der Schützenhof der Familie Dill, eine Gastwirtschaft, steht noch heute. Auf dem ehemaligen Ackerland errichteten sie Schießstände mit Längen von 175 und 300m in Eigenleistung. Der Schießstand wurde zum Ende des zweiten Weltkriegs durch die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt und 1950 wieder freigegeben. Ernst Wickel (1875 - 1954), war nach dem Krieg 1. Ältermann der Gilde und treibende Kraft des Aus- und Weiterbaus des Schießstandes. Aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes für die Gilde trägt der Schießstand bis heute seinen Namen.


1978 wurde das Gildeheim mit Schießstand endgültig fertiggestellt. Seit diesem Jahr findet auch das alljährliche Vogelschießen dort statt. Heute ist das Gildeheim mit mehreren Schießständen ausgestattet um verschiedene Disziplinen trainieren zu können. Zu den Sparten der Stadtvogelschützengilde gehört seit 2012 auch das eindrucksvolle Böllerschießen, einer im süddeutschen Raum weit verbreiteten Tradition mit Handböllern. Die Zwangspause aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 nutze der Verein für aufwändige Sanierungsarbeiten und den Einbau einer modernen elektronischen Zielerfassung.